Pokémon-Fälschung erkennen – so prüfst du dein Modul
Um eine Pokémon-Fälschung zu erkennen, prüfst du vier Dinge: einen kleinen Code, der ins Etikett geprägt ist, die richtige Gehäusefarbe für genau dieses Spiel, die passenden eingegossenen Angaben auf der Rückseite und eine echte Nintendo-Platine im Inneren. Pokémon-Spiele gehören zu den am häufigsten kopierten Modulen überhaupt, und viele Fälschungen starten und laufen ganz normal. „Funktioniert“ beweist also gar nichts. Jeder Check unten dauert etwa eine Minute, und für die meisten brauchst du kein Werkzeug.
Dieser Ratgeber behandelt nur Pokémon-Spiele: Game Boy und Game Boy Color, Game Boy Advance und Nintendo DS. Allgemeine Checks für alle Game-Boy-Module findest du unter Game-Boy-Fälschung erkennen.
Schnelle Checks für jedes Pokémon-Modul
Damit fängst du an, egal um welches Spiel es geht:
- Geprägter Code im Etikett. Echte Etiketten bei Game Boy, Game Boy Color und GBA haben einen kurzen Code, meist zwei bis vier Ziffern oder Buchstaben, der ohne Farbe in den Aufkleber gedrückt ist. Halte das Modul schräg ins Licht, dann siehst du ihn. Fehlt er oder ist er aufgedruckt statt geprägt, solltest du misstrauisch werden.
- Druckqualität. Echte Etiketten haben scharfe Schrift und Logos. Unscharfe Grafik, seltsame Schriftarten, falsche Farben oder Rechtschreibfehler verraten Fälschungen.
- Die Schraube. Game-Boy- und Game-Boy-Color-Module haben eine Nintendo-Sicherheitsschraube (3,8-mm-„Gamebit“). GBA-Module haben eine Y-förmige Tri-Wing-Schraube. Eine normale Kreuzschlitzschraube ist ein Warnzeichen. Manche echten Module haben aber schon eine Ersatzschraube bekommen, also urteile nicht allein danach.
- Preis. Pokémon-Module verkaufen sich gut. Ein Angebot, das weit unter dem üblichen Preis für das Spiel liegt, ist das häufigste Anzeichen für eine Fälschung.
Game Boy und Game Boy Color – Rot, Blau, Gelb, Gold, Silber, Kristall
Gehäusefarbe
Außerhalb Japans kamen diese Spiele in farbigen Gehäusen:
- Rote, Blaue und Gelbe Edition: rote, blaue und gelbe Gehäuse.
- Goldene und Silberne Edition: goldene und silberne Gehäuse.
- Kristall-Edition: ein helles, durchsichtiges Blau mit feinem Glitzer im Kunststoff. Viele Fälschungen sind dunkler blau und glitzern nicht.
Vergleiche den Farbton mit Fotos eines sicher echten Exemplars. Gefälschte Gehäuse liegen oft leicht daneben, zum Beispiel ein blasseres Gelb. Noch ein Tipp: Die japanischen Versionen kamen in grauen Gehäusen. Ein graues Pokémon-Modul mit deutschem oder englischem Etikett ist nicht echt.
Oberseite und Rückseite
Oben auf dem Modul sollte „Nintendo GAME BOY™“ sauber in einem Oval in den Kunststoff eingegossen sein. Auf der Rückseite sollte die eingegossene Schrift scharf sein. Weiche, flache oder ungleichmäßige Buchstaben deuten auf eine kopierte Gussform hin.
Im Inneren des Moduls
Wenn du den passenden Schraubendreher hast, ist das Öffnen der sicherste Check. Eine echte Platine:
- füllt fast das ganze Gehäuse aus und sitzt fest
- trägt den Aufdruck „Nintendo“ und Modellcodes (bei Game-Boy-Platinen beginnen sie oft mit „DMG“)
- hat Chips mit aufgedruckten Bezeichnungen und eine runde Knopfzellen-Batterie für die Spielstände
Eine kleine Platine, die nur von Plastikklammern gehalten wird, eine fehlende Batterie oder ein schwarzer Epoxid-Klecks über dem Chip bedeuten: Das Modul ist gefälscht.
Game Boy Advance – Rubin, Saphir, Smaragd, Feuerrot, Blattgrün
Etikett und Gehäuse
- Etikett. Vergleiche das Etikett mit Fotos eines sicher echten Exemplars. Druckqualität, Farben und Oberfläche sollten übereinstimmen. Viele Fälschungen sehen aus wie mattes Papier mit Plastikbeschichtung. Der geprägte Code sollte ebenfalls vorhanden sein, und vorne sollte ein Spielcode stehen, der mit „AGB-“ beginnt und mit der Region endet, bei deutschen Versionen etwa „-NOE“.
- Gehäusefarbe. Rubin, Saphir und Smaragd haben ein kräftiges, durchsichtiges Rot, Blau und Grün. Feuerrot und Blattgrün sind rot und grün, aber deutlich weniger durchsichtig. Eine falsche Farbe oder die falsche Transparenz ist ein Warnsignal.
- Vorderseite. Echte GBA-Gehäuse haben hinter dem Etikett ein eingeprägtes Rechteck im Kunststoff. Bei manchen Fälschungen schimmert das Etikett durch den Kunststoff.
Rückseite des Moduls
Auf der Rückseite sollten das ovale Nintendo-Logo, die Modellnummer „AGB-002“ und „PAT. PEND. MADE IN JAPAN“ in den Kunststoff eingegossen sein. Alle Pokémon-Spiele für den GBA tragen AGB-002. Eine andere Modellnummer, ein Aufkleber statt eingegossener Schrift oder verschwommene Buchstaben sind Warnzeichen.
Im Inneren des Moduls
Zum Öffnen eines GBA-Moduls brauchst du einen Tri-Wing-Schraubendreher. Achte auf „Nintendo“ und einen Platinencode auf der Leiterplatte sowie auf bedruckte Chips. Innen in der hinteren Gehäusehälfte zeigen echte Module meist zwei kleine quadratische Gussmarken.
Dann prüfst du die Batterie. Was richtig ist, hängt vom Spiel ab:
- Rubin, Saphir und Smaragd haben eine kleine runde Batterie auf der Platine. Viele Fälschungen haben stattdessen einen schwarzen Epoxid-Klecks.
- Feuerrot und Blattgrün haben gar keine Batterie. Bei diesen beiden ist eine fehlende Batterie also normal.
Nintendo DS – Diamant, Perl, Platin, HeartGold, SoulSilver, Schwarz, Weiß, Schwarz 2, Weiß 2
- Codes abgleichen. Vorne auf dem Etikett steht ein Code wie „NTR-IPGE-USA“ (das ist die US-Version von SoulSilver, europäische Versionen haben am Ende ein eigenes Regionskürzel). Auf der Rückseite des Moduls steht ein kurzer Code in schwarzer Schrift. Seine ersten vier Zeichen sollten mit den vier Zeichen in der Mitte des vorderen Codes übereinstimmen.
- Gehäusefarbe bei Infrarot-Spielen. HeartGold, SoulSilver, Schwarz, Weiß, Schwarz 2 und Weiß 2 haben eingebautes Infrarot, ihre Gehäuse sind schwarz statt grau. Halte eins gegen helles Licht: Ein echtes Gehäuse leuchtet meist dunkelrot oder magenta, weil der Kunststoff leicht durchscheinend ist.
- Eingegossene Modellnummer. Auf der Rückseite ist eine Modellnummer eingegossen. Bei Diamant, Perl und Platin ist es „NTR-005“, bei den Infrarot-Spielen „NTR-031“.
- Form des Etiketts. Echte DS-Etiketten haben an einer unteren Ecke eine schräge Kante statt gleichmäßig abgerundeter Ecken.
- Die Oberkante. Echte DS-Module haben ein kleines eingegossenes Rechteck an der Oberkante. Kein Rechteck heißt Fälschung.
- Der Pokéwalker-Test. HeartGold und SoulSilver verbinden sich per Infrarot mit dem Pokéwalker. Die meisten Fälschungen können das nicht. Steht in einer Anzeige „nicht kompatibel mit Pokéwalker“, solltest du genauer hinschauen.
Eine leere Speicherbatterie heißt nicht, dass es eine Fälschung ist
Alte Pokémon-Module verlieren oft ihre Spielstände, und das ist bei echten Exemplaren normal.
- Rot, Blau, Gelb, Gold, Silber und Kristall speichern über eine kleine eingelötete Batterie. Nach vielen Jahren ist sie leer: Das Spiel läuft noch, kann aber nicht mehr speichern. Gold, Silber und Kristall haben zusätzlich eine Uhr, die die Batterie schneller leert. Mit etwas Löten lässt sich die Batterie tauschen.
- Rubin, Saphir und Smaragd speichern auf einem Speicherchip, der keinen Strom braucht. Ihre Batterie versorgt nur die Uhr. Ist sie leer, zeigt das Spiel eine Meldung, dass die interne Batterie leer ist. Speichern funktioniert weiter, aber zeitabhängige Ereignisse wie wachsende Beeren bleiben stehen.
- Feuerrot und Blattgrün haben keine Batterie und daher auch dieses Problem nicht.
Umgekehrt ist es auch kein Beweis: Viele Fälschungen speichern problemlos. Beurteile ein Modul nach Etikett, Gehäuse, Markierungen und Platine, nicht danach, ob es speichert.
Checkliste für den Kauf von Pokémon-Spielen
- Bitte um klare Fotos von Vorderseite, Rückseite und Oberseite bei gutem Licht.
- Such nach dem geprägten Code im Etikett und prüfe, ob die Gehäusefarbe zum Spiel passt.
- Vergleiche bei DS-Spielen den vorderen und den hinteren Code.
- Bei teuren Spielen frag nach einem Foto der Platine oder kauf bei jemandem, der sie zeigt.
- Lies die ganze Beschreibung. Begriffe wie „Repro“, „Reproduktion“, „Custom“ oder „nicht kompatibel mit Pokéwalker“ sind wichtig.
- Vergleiche den Preis mit dem, was das Spiel üblicherweise bringt. Liegt er weit darunter, frag nach dem Grund.
- Kauf dort, wo du abgesichert bist, falls der Artikel nicht der Beschreibung entspricht, zum Beispiel mit Käuferschutz.
Hat ein Modul diese Checks bestanden, scanne es mit RetroWorth: Du siehst den geschätzten Wert nach Zustand und Region und kannst es zu deiner Sammlung hinzufügen. Wer den typischen Wert kennt, erkennt auch schneller ein Angebot, das zu billig ist, um echt zu sein. RetroWorth prüft nicht, ob ein Spiel echt oder gefälscht ist. Die Werte gehen von einem echten Exemplar aus, also mach zuerst die Checks oben. Was die Preise von Pokémon-Spielen bestimmt, liest du unter alte Pokémon-Spiele und ihr Wert.
FAQ
Kann ein gefälschtes Pokémon-Spiel speichern?
Ja. Viele Fälschungen speichern ohne Probleme. Ein funktionierender Spielstand beweist nicht, dass ein Modul echt ist, und eine leere Batterie beweist nicht, dass es gefälscht ist.
Sind gefälschte Pokémon-Spiele etwas wert?
Nicht als Sammlerstücke. Spielen kann man damit vielleicht trotzdem, aber Sammler zahlen für echte Exemplare. Wenn du eins verkaufst, schreib klar dazu, dass es eine Reproduktion ist. Mehr dazu unter Repro-Module erklärt.
Kann ich eine Pokémon-Fälschung erkennen, ohne das Modul zu öffnen?
Meistens ja. Prägung im Etikett, Gehäusefarbe, eingegossene Markierungen und bei DS-Spielen die passenden Codes entlarven die meisten Fälschungen. Das Öffnen ist der letzte Check, wenn dir noch etwas komisch vorkommt.
Welche Pokémon-Spiele werden am häufigsten gefälscht?
Die beliebtesten, also vor allem die Spiele für Game Boy und GBA. Smaragd, Kristall, Feuerrot und die ursprünglichen Editionen Rot, Blau und Gelb tauchen in Ratgebern zum Fälschungen-Erkennen oft auf, beim DS sind es häufig HeartGold und SoulSilver.