Ratgeber

Gefälschte Game Boy Spiele erkennen

Aktualisiert am

Gefälschte Game-Boy-Module tauchen überall auf: auf eBay.de, Kleinanzeigen und Vinted, auf dem Flohmarkt und sogar gemischt in Konvoluten mit echten Spielen. Sie sind billig herzustellen, sehen auf den ersten Blick richtig aus und laufen meistens einwandfrei. Genau deshalb beweist „funktioniert“ gar nichts.

Die gute Nachricht: Die meisten Fälschungen fallen bei mindestens einem von ein paar einfachen Checks durch. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du eine Fälschung erkennst, Schritt für Schritt, vom 30-Sekunden-Blick aufs Etikett bis zum Öffnen des Moduls. Er gilt für den ursprünglichen Game Boy, den Game Boy Color und den Game Boy Advance. Pokémon-Spiele werden am häufigsten gefälscht, deshalb haben sie einen eigenen Ratgeber.

Fälschung, Bootleg oder Repro? Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Ein Bootleg oder eine Fälschung soll als Original durchgehen. Ein Repro-Modul (Reproduktion) ist eine Kopie, die auch offen als solche verkauft werden kann. So oder so ist es kein Original-Nintendo-Modul und nicht so viel wert wie ein Original.

Die 30-Sekunden-Checks

Für all das brauchst du kein Werkzeug. Wenn möglich, leg ein Modul daneben, von dem du sicher weißt, dass es echt ist, oder schau dir Fotos eines bestätigten Originals desselben Spiels an.

1. Die eingeprägte Nummer im Etikett

Halt das Modul schräg unter eine Lampe und schau auf das Etikett vorne. Original-Nintendo-Etiketten haben eine kleine zweistellige Nummer, die ins Papier eingeprägt ist. Es ist eine Vertiefung, keine Druckfarbe, deshalb siehst du sie oft nur schräg von der Seite oder dort, wo sich etwas Schmutz darin abgesetzt hat.

Fälschungen haben meist gar keine Nummer. Manche haben eine aufgedruckte oder eine viel zu tief eingedrückte. Eine fehlende Nummer ist eines der stärksten einzelnen Warnsignale.

2. Etikettdruck und Logos

Echte Etiketten sind gestochen scharf. Schau dir die kleine Schrift und die Logos genau an:

  • Unscharfer oder verpixelter Druck oder ein sichtbares Punktraster unter der Lupe deuten darauf hin, dass das Etikett von einem Scan gedruckt wurde.
  • Farben, die nicht stimmen, also zu satt, zu dunkel oder verwaschen im Vergleich zu Fotos eines Originals.
  • Das falsche Motiv. Manche Fälschungen verwenden das Packungsbild statt des Modul-Artworks.
  • Der Produktcode. Originaletiketten tragen einen Code wie DMG-…-NOE (Game Boy), CGB-…-EUR (Game Boy Color) oder AGB-…-USA (Game Boy Advance), der auf die Region endet. Schlag ihn nach: Fälschungen nutzen manchmal einen Code, den es nicht gibt oder der zu einer anderen Region gehört.
  • Das Nintendo-Qualitätssiegel. Bei US- und europäischen Versionen sollte es vorhanden und scharf sein. Bei vielen Originalen ist es in metallischem Gold gedruckt, das ein normaler Drucker nicht nachmachen kann. Japanische Versionen haben kein Siegel, dort ist das Fehlen also normal.

3. Die eingegossene Schrift am Gehäuse

Bei Original-Modulen für Game Boy und Game Boy Color ist an der Oberkante „Nintendo GAME BOY™“ ins Plastik eingegossen. Bei Fälschungen fehlt dieser Schriftzug oft, ist abgeschnitten, hat die falsche Schriftart oder sitzt leicht schief.

Dreh das Modul auch um. Originale haben auf der Rückseite eingegossene Nintendo-Angaben, und Module für Game Boy und Game Boy Color tragen zusätzlich „MADE IN JAPAN“. (Ausnahme sind einige wenige offizielle Veröffentlichungen für den chinesischen Markt.) Eine leere Rückseite, seltsame Formulierungen oder dicke, weich wirkende Buchstaben sind Warnsignale.

4. Farbe, Oberfläche und Passform des Gehäuses

Die meisten Original-Game-Boy-Module sind grau. Schwarze Module laufen sowohl auf dem ursprünglichen Game Boy als auch auf dem Game Boy Color, transparente nur auf dem Game Boy Color. Manche Titel, darunter die Pokémon-Spiele und Donkey Kong Land, kamen in eigenen Farben. Schau also nach, wie das Original deines Spiels aussehen sollte.

Dann fühl mal. Viele Fälschungen werden in Formen gegossen, die von echten Modulen abgenommen wurden, und die Oberfläche ist am Ende glatter, glänzender oder farblich leicht daneben. Schau dir auch die Unterkante am Steckanschluss an: Originale sind sauber verarbeitet, Fälschungen haben dort manchmal Spalten oder Öffnungen im Gehäuse.

5. Die Schraube

Nintendo hat Sicherheitsschrauben verwendet:

  • Game Boy und Game Boy Color: eine 3,8-mm-Gamebit-Schraube.
  • Game Boy Advance: eine Tri-Wing-Schraube mit drei flachen Flügeln.

Eine normale Kreuzschlitzschraube bedeutet bei allen dreien, dass das Modul gefälscht ist oder zumindest schon geöffnet und wieder zusammengebaut wurde. Dasselbe gilt für die falsche Sicherheitsschraube, etwa eine Tri-Wing an einem Game-Boy-Modul. Manche Fälschungen haben sogar einen Schein-Schraubenkopf, der gar nichts hält. Umgekehrt gilt das aber nicht: Viele Fälschungen kommen inzwischen mit der richtigen Schraube, eine korrekte Schraube allein beweist also nichts.

Aufschrauben: die Platine

Wenn die Checks von außen dich unsicher lassen, ist die Platine im Inneren der verlässlichste Test. Du brauchst den passenden Schraubendreher (3,8-mm-Gamebit für Game Boy und Game Boy Color, Tri-Wing für Game Boy Advance), den es günstig überall gibt. Mach vorher ein Foto, arbeite langsam und wende keine Gewalt an.

Anzeichen für eine Original-Platine:

  • Der Name Nintendo ist auf die Platine gedruckt, zusammen mit einem Platinencode.
  • Die Platine füllt das Gehäuse richtig aus und sitzt fest.
  • Chips mit aufgedruckter Beschriftung.

Anzeichen für eine Fälschung:

  • Schwarze Epoxid-Kleckse über den Chips. Nur sehr wenige Original-Game-Boy-Platinen haben so etwas, die meisten Fälschungen schon.
  • Eine kleine oder seltsam zugeschnittene Platine, übereinandergestapelte Platinen oder Aufkleber im Gehäuse.
  • Gar kein Nintendo-Schriftzug oder ein falsch geschriebener.
  • Ein wiederbeschreibbarer Speicherchip mit dem Spiel, wo ein Original einen Masken-ROM-Chip hat.

Die beste Referenz ist ein Foto eines bestätigten Originals desselben Spiels. Sammlerseiten und Hardware-Datenbanken dokumentieren, welche Platine in welchem Spiel stecken sollte.

Game Boy Advance: Was du zusätzlich wissen solltest

GBA-Fälschungen sind bei beliebten Titeln besonders verbreitet. Zusätzlich zu den Checks oben:

  • Schraube und Rückseite als schnelle Checks nutzen. Eine Tri-Wing-Schraube und sauber eingegossene Nintendo-Angaben auf der Rückseite willst du sehen.
  • Genau auf die Oberfläche des Etiketts schauen. Echte Etiketten sind scharf und gleichmäßig glänzend. Fälschungen sind oft zu glänzend, zu matt oder rund um die Schrift leicht unscharf.
  • Prüfen, ob eine Batterie da ist, wo eine hingehört. Manche GBA-Spiele haben eine kleine Batterie für eine interne Uhr. Pokémon Rubin, Saphir und Smaragd zum Beispiel haben eine, Feuerrot und Blattgrün nicht. Fälschungen von Spielen mit Uhr lassen die Batterie oft weg, und die Uhr im Spiel funktioniert dann nicht.

Was nichts beweist

Diese Punkte stehen ständig in Angeboten, und keiner davon klärt die Frage:

  • „Getestet, läuft super.“ Die meisten Fälschungen laufen problemlos auf echter Hardware.
  • „Speichert.“ Viele Fälschungen speichern, zumindest eine Zeit lang.
  • Eine leere Speicherbatterie. Original-Module für Game Boy und Game Boy Color, die Spielstände speichern, haben eine kleine Knopfzelle, und nach Jahrzehnten ist sie bei vielen leer. Das ist normale Alterung, kein Zeichen für eine Fälschung.
  • Ein abgenutztes oder ersetztes Etikett. Ein Original kann ein Ersatzetikett haben, und eine Fälschung kann ein absichtlich auf alt getrimmtes Etikett haben. Prüf auch Gehäuse und Platine.

Warnsignale beim Onlinekauf

  • Der Preis liegt weit unter dem, was das Spiel normalerweise bringt, vor allem bei gefragten Titeln. Den üblichen Wert zu kennen ist einer der einfachsten Wege, ein gefälschtes Angebot zu entlarven.
  • Mehrere identische „neue“ Exemplare eines Spiels, das seit Jahrzehnten nicht mehr produziert wird.
  • Stockfotos oder ein einziges unscharfes Foto der Vorderseite. Frag nach der Rückseite des Moduls, dem Etikett schräg fotografiert (wegen der eingeprägten Nummer) und der Oberkante.
  • „Repro“ oder „Reproduktion“ tief in der Beschreibung versteckt, oder Begriffe wie „Nachbau“, „Aftermarket“ oder „inoffiziell“.
  • Ein Verkäufer, der keine weiteren Fotos schickt. Ehrliche Verkäufer machen das in der Regel.

Tipp: Bevor du ein teures Modul kaufst, frag nach, ob du es zurückgeben kannst, falls es sich als Fälschung herausstellt, und schau, welchen Käuferschutz die Plattform bietet.

Fälschung erwischt? Was jetzt

Fälschungen und Repros haben kaum oder gar keinen Sammlerwert. Wenn du eins als Original gekauft hast, kontaktier den Verkäufer und nutz die Rückgabe oder den Käuferschutz der Plattform. Ob du es zum Spielen behältst, ist deine Entscheidung. Falls du es irgendwann verkaufst, schreib klar dazu, dass es ein Repro ist. Es als Original auszugeben ist dem nächsten Käufer gegenüber unfair und verstößt gegen die Regeln der meisten Plattformen.

Wo RetroWorth ins Spiel kommt

Damit es klar ist, was die App macht: RetroWorth erkennt das Spiel anhand eines Fotos vom Etikett und zeigt dir eine geschätzte Wertspanne für ein echtes Exemplar, als Lose, Komplett oder Neu, für den US-, europäischen oder japanischen Markt. Ob ein Modul echt ist, prüft die App nicht. Mach also zuerst die Checks oben.

Wenn ein Modul sie besteht, scann es, um seinen geschätzten Wert zu sehen, und füg es deiner Sammlung hinzu. Und wenn du auf Einkaufstour bist, prüf den üblichen Wert vor dem Kauf. Ein Preis weit unter dieser Spanne ist ein guter Grund, noch einmal genauer hinzuschauen.

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