Was bedeutet CIB? Lose, komplett mit OVP und Neu erklärt
CIB steht für complete in box, also „komplett mit Originalverpackung“. Beim Sammeln von Videospielen heißt das: Du hast das Spiel selbst plus die originale Verpackung (OVP) und die originale Anleitung. Du findest das Kürzel in Anzeigen auf eBay und Kleinanzeigen, in Preisübersichten und überall in Sammlerforen.
CIB ist eine von drei Zustandsangaben, die die meisten Preisübersichten verwenden, neben Lose und Neu. Welche davon auf dein Exemplar passt, verändert den Preis stärker als fast alles andere. Hier erfährst du, was jede Angabe bedeutet, was bei verschiedenen Spielen als „komplett“ gilt und wie du dein Exemplar so beschreibst, dass Käufer genau wissen, was sie bekommen.
Lose, CIB und Neu im Überblick
| Zustand | Was dabei ist | Siehst du auch als |
|---|---|---|
| Lose | Nur das Modul oder die Disc | Nur Modul, nur Disc, nur Spiel |
| CIB | Spiel, originale Box oder Hülle und originale Anleitung | Komplett, komplett mit OVP, mit OVP |
| Neu | Alles, noch in der originalen Werksversiegelung | Versiegelt, sealed, neu und OVP |
Ein paar Dinge solltest du dir merken:
- Lose sagt nichts darüber aus, wie schön das Spiel ist. Ein loses Modul kann ein perfektes oder ein zerrissenes Etikett haben. Das Wort sagt nur, was dabei ist.
- CIB heißt originale Box und originale Anleitung. Ein Ausdruck oder eine nachgemachte Box zählt nicht, und eine ehrliche Anzeige sagt das auch.
- Neu heißt, die Werksversiegelung wurde nie geöffnet. Sobald die Folie ab ist, ist das Spiel CIB, auch wenn es nie jemand gespielt hat.
Was als „komplett“ gilt
Die Idee ist einfach: alles, was beim Neukauf in der Packung war. In der Praxis hängt es von der Art des Spiels ab.
Modulspiele (NES, SNES, N64, Game Boy)
Komplett heißt meist: Modul, Pappschachtel und Anleitung. Viele dieser Spiele hatten außerdem Extras dabei, etwa die Plastikschutzhülle bei NES-Modulen, einen Papp-Einsatz in der Box, Poster, Karten, Registrierkarten oder Kataloge.
Sammler sind sich nicht ganz einig, ob diese Beilagen für „komplett“ nötig sind. Preisübersichten zählen in der Regel Spiel, Box und Anleitung als CIB. Hat dein Exemplar die Extras, nenn sie. Fehlen sie, sag es. Genau zu sein ist besser, als später über die Definition zu streiten.
Disc-Spiele (PlayStation, GameCube, Dreamcast, Xbox)
Komplett heißt: Disc, originale Hülle mit gedrucktem Cover und Anleitung. Achte auf Ersatzhüllen. PlayStation-Hüllen brechen leicht und werden oft getauscht. Die meisten Käufer akzeptieren das, solange Cover und Anleitung original sind. Erwähne es einfach, wenn die Hülle nicht die originale ist.
Kunststoffhüllen und Pappschachteln
Nintendo-Module kamen in Pappschachteln. Die meisten Mega-Drive-Spiele kamen in festen Kunststoffhüllen (in den USA stiegen viele spätere Genesis-Spiele ab etwa 1995 auf Karton um). Auch Disc-Spiele kamen in Kunststoffhüllen. Dieser Unterschied ist wichtig für den Wert, wie du gleich siehst.
Japanische und europäische Versionen
Es gelten dieselben Regeln, nur die Verpackung ist anders. Ein japanisches Super-Famicom-Spiel hat eine eigene Box und Anleitung, und eine europäische PAL-Version hat oft eine mehrsprachige Anleitung. Auf PAL-Boxen siehst du häufig Kürzel wie NOE, FRG oder EUR, die zeigen, für welchen Markt die Version gedacht war. Eine US-Anleitung in einer europäischen Box macht das Exemplar nicht komplett. Aus demselben Grund unterscheiden sich die Preise je nach Region, also prüf den Markt, aus dem dein Exemplar wirklich stammt.
Warum ein komplettes Exemplar meist mehr kostet
Die kurze Antwort: Die meisten Boxen haben nicht überlebt.
In den 80ern und 90ern haben viele Kinder ein neues Spiel ausgepackt, gespielt und die Pappschachtel weggeworfen. Wichtig war das Modul. Jahrzehnte später gibt es lose Module überall, aber eine gut erhaltene Box mit Anleitung ist viel schwerer zu finden. Deshalb bringt ein komplettes Modulspiel oft ein Vielfaches des losen Preises, und deshalb werden Boxen und Anleitungen auch einzeln verkauft.
Bei Spielen in Kunststoffhüllen ist der Abstand meist kleiner. Mega-Drive-Hüllen und PlayStation-Hüllen hat man behalten, weil sie zur Aufbewahrung dienten und nicht bloß Verpackung waren. Es haben mehr komplette Exemplare überlebt, also sind komplette Exemplare weniger selten.
Auch innerhalb einer Angabe zählt der Zustand. Eine eingedrückte Box, eine zerrissene Anleitung oder ein Preisaufkleber, der beim Abziehen das Cover mitgenommen hat, drücken den Wert, selbst wenn das Exemplar technisch komplett ist.
Neu und versiegelt – das solltest du wissen
Neu, also versiegelt, liegt ganz oben in der Spanne, und genau hier musst du am vorsichtigsten sein.
- Die Versiegelung muss original sein. Es wird nachversiegelt, und ein nachversiegeltes Spiel ist in Wahrheit ein CIB-Spiel in frischer Folie. Schau dir an, wie die Werksfolie für diese Plattform und Zeit aussah, bevor du einen Neu-Preis zahlst.
- „Wie neu“ ist nicht neu. Manche Anzeigen nennen ein Spiel „neu“, obwohl es geöffnet und kaum benutzt wurde. In Preisübersichten heißt Neu werksversiegelt. Alles andere ist CIB.
- Gegradete Spiele sind ein eigener Markt. Ein gegradetes Spiel wurde in ein durchsichtiges Kunststoffgehäuse eingeschlossen und von einer Grading-Firma mit einer Zustandsnote versehen. Solche Exemplare werden auf einem eigenen Markt gehandelt, also nimm ihre Preise nicht, um ein nicht gegradetes Exemplar zu bewerten.
Weitere Angaben, die dir begegnen
- Nur Box oder nur Anleitung. Nur die Schachtel oder nur das Heft. Beides wird einzeln verkauft, weil Leute damit ein loses Spiel komplettieren.
- Spiel und Box, ohne Anleitung (oder Spiel und Anleitung, ohne Box). Kein CIB. Manche Verkäufer schreiben „CIB ohne Anleitung“, das ist klar und ehrlich.
- Player's Choice, Platinum, Nintendo Selects. Günstige Neuauflagen mit anderem Etikett oder anderer Hülle. Sammler unterscheiden sie meist von der Erstauflage (bei PlayStation oft „Black Label“ genannt), und die Neuauflagen bringen in der Regel weniger. Prüf, welche Version du hast, bevor du nach einem Preis suchst.
- Repro-Box oder Repro-Anleitung. Neu gedruckte Kopien, die manchmal verkauft werden, um ein loses Spiel zu „komplettieren“. (Es gibt auch ganze Repro-Module.) Fürs Regal in Ordnung, aber das Exemplar ist kein originales CIB und sollte auch so angeboten werden.
- Getestet oder funktioniert. Das betrifft die Funktion, nicht die Vollständigkeit. Gut zu wissen, aber unabhängig von der Zustandsangabe.
So beschreibst du dein eigenes Exemplar
Egal ob du verkaufst, tauschst oder einfach deine Sammlung erfasst: Die hilfreichste Beschreibung nennt die Teile und ihren Zustand.
- Sag genau, was dabei ist. „Modul, Box und Anleitung, ohne Poster“ ist besser als „komplett“.
- Beschreib jedes Teil. Abrieb am Etikett des Moduls, Knicke oder Risse an der Box, Gekritzel oder fehlende Seiten in der Anleitung.
- Fotografiere alles, was du verkaufst, auch die Rückseite der Box und eine Nahaufnahme vom Etikett des Moduls.
- Nimm die Angabe, die passt. Fehlt die Anleitung, ist es kein CIB. Ist die Versiegelung geöffnet, ist es nicht neu.
- Gib Region und Version an. US, PAL oder Japan, und Erstauflage oder Neuauflage.
Tipp: Genaue Beschreibungen verhindern die meisten Streitfälle. Ärger fängt meist an, wenn „komplett“ für Verkäufer und Käufer etwas anderes bedeutet.
Den Wert nach Zustand prüfen
Wenn du weißt, welche Angabe passt, kannst du den passenden Preis nachschlagen. In der RetroWorth-App scannst du das Spiel (auch ein loses Modul ohne Barcode), wählst Lose, Komplett oder Neu und den Markt: USA, Europa oder Japan. Die Spanne für den geschätzten Wert passt sich entsprechend an. Es ist eine Schätzung auf Basis von Marktpreisen, kein Gutachten, also schau dir vor dem Verkauf eines wertvollen Spiels aktuelle Verkäufe an.
Liegt dein Exemplar zwischen zwei Angaben, etwa ein Spiel mit Box, aber ohne Anleitung, schau dir die Schätzung für Lose und für Komplett an. Der tatsächliche Verkaufspreis liegt meist irgendwo dazwischen.